{"id":272,"date":"2021-03-21T19:19:38","date_gmt":"2021-03-21T19:19:38","guid":{"rendered":"https:\/\/luise-raithel.de\/?page_id=272"},"modified":"2021-03-21T19:19:38","modified_gmt":"2021-03-21T19:19:38","slug":"philosophische-einbettung","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/luise-raithel.de\/index.php\/philosophische-einbettung\/","title":{"rendered":"Philosophische Einbettung"},"content":{"rendered":"\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Bilder k\u00f6nnen, m\u00fcssen aber nicht als Zeichen funktionieren&#8220;<a href=\"applewebdata:\/\/5CD00912-ED89-413A-8C80-CF04BDA80ED3#_ftn1\"><sup>[1]<\/sup><\/a>, schreibt der Philosoph Lambert Wiesing und betont damit die Mannigfaltigkeit von Bilderzeugnissen. Auch die junge K\u00fcnstlerin Luise Raithel verzichtet partout auf den zeichenhaften Charakter und damit auf jede Absicht, eine abbildhafte Darstellung zu leisten. Mit dem Verzicht auf einen referenziellen Verweis auf ein existierendes oder fiktives Au\u00dfen und der Betonung auf das Hier und Jetzt, reiht sie sich ein in die Tradition der Ph\u00e4nomenologie und r\u00fcckt damit einzig die Erfahrung als solche in den Vordergrund. Die intuitive Herangehensweise zeigt sich im k\u00fcnstlerischen Prozess Raithels, in der sie, wie sie selbst sagt, sich von bewussten und unbewussten Vorg\u00e4ngen leiten l\u00e4sst. Es ginge ihr um das Einfangen eines Augenblicks in seiner Spontaneit\u00e4t, in seinem von Kontingenz gepr\u00e4gten Zustand. Die Perzeptionen und Eindr\u00fccke werden von ihr auf der Leinwand, manchmal auch auf Holz, in Farbe \u00fcbersetzt. Die verschiedenen Farbschichten legen sich sodann wie eine Art Flickenteppich auf die zu f\u00fcllende Fl\u00e4che. Doch geht es der K\u00fcnstlerin nicht um das Reparieren oder Ausbessern von Materialit\u00e4t im herk\u00f6mmlichen Sinne eines Flickens, sondern viel eher um das Zusammenbringen von eingefangenen Eindr\u00fccken, die erst in ihrer Verbundenheit ihre Sinnhaftigkeit konstituieren. So sind die einzelnen Farbfl\u00e4chen zwar in gewisser Weise autonom, das Beziehungsgef\u00fcge der Farbfl\u00e4chen zueinander erweist sich jedoch als wesentlich bedeutsamer.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei n\u00e4herer Betrachtung erscheinen die mittleren und vorderen Schichten besonders pr\u00e4sent; eine Beobachtung, die der Philosoph Nicolai Hartmann in seiner Schichtenlehre niedergeschrieben hat und die sich im \u00fcbertragenen Sinne punktuell auf Luise Raithels Arbeit anwenden l\u00e4sst. Die hinteren Schichten im Werk Luise Raithels lassen sich schlie\u00dflich nur erahnen, was der Eigenart dieses Schaffensprozesses zugeschrieben werden kann, wobei es der K\u00fcnstlerin keinesfalls um eine Darstellung hierarchischer Verh\u00e4ltnisse geht. Wie bereits angedeutet, steht es viel mehr f\u00fcr eine F\u00fclle an Ph\u00e4nomenen und Perzeptionen, die in ihrer Schichtenhaftigkeit zwar zu keiner Einheit, daf\u00fcr aber zu einem Gesamtbild geordnet werden. Die Gefahr in einer solchen Perspektivierung best\u00fcnde sicherlich darin, dass sich das Werk trotz seiner Anschaulichkeit im Schichtendasein paradoxerweise in seiner Zweidimensionalit\u00e4t als Leinwand gefangen s\u00e4he, doch sei Materialit\u00e4t nicht mit Realit\u00e4t gleichzusetzen, w\u00fcrde nun Hartmann argumentieren. Die Gefahr der Zweidimensionalit\u00e4t befiele dadurch einzig den Anspruch auf Objektivit\u00e4t, den die K\u00fcnstlerin mit ihrem Pinselstrich jedoch niemals erhob. So sei auf die einladende Geste verwiesen, f\u00fcr einen Moment Teil ihrer subjektiven und zugleich poetischen Erfahrung zu werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Patricia Fritze, 2021<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p><a href=\"applewebdata:\/\/5CD00912-ED89-413A-8C80-CF04BDA80ED3#_ftnref1\"><sup>[1]<\/sup><\/a>\u00a0Wiesing, Lambert: Artifizielle Pr\u00e4senz. Studien zur Philosophie des Bildes. 5. Auflage. Suhrkamp Verlag. Berlin, 2005. Seite 40.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Bilder k\u00f6nnen, m\u00fcssen aber nicht als Zeichen funktionieren&#8220;[1], schreibt der Philosoph Lambert Wiesing und betont damit die Mannigfaltigkeit von Bilderzeugnissen. Auch die junge K\u00fcnstlerin Luise Raithel verzichtet partout auf den zeichenhaften Charakter und damit auf jede Absicht, eine abbildhafte Darstellung zu leisten. Mit dem Verzicht auf einen referenziellen Verweis auf ein existierendes oder fiktives Au\u00dfen [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/luise-raithel.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/272"}],"collection":[{"href":"https:\/\/luise-raithel.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/luise-raithel.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/luise-raithel.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/luise-raithel.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=272"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/luise-raithel.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/272\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":278,"href":"https:\/\/luise-raithel.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/272\/revisions\/278"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/luise-raithel.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=272"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}